Die Religionsbücher der „Grazer Reihe“

Wie ist es zur „Grazer VS-Buch-Reihe Religion“ gekommen? – Der größere Kontext

  • Ab 2007: Erste Grundlagenforschungen und Entwürfe für eine Neukonzeption der „Grazer VS-Buch-Reihe Religion“ im Rahmen des Kompetenzzentrum für Religionspädagogische Schulbuchentwicklung an der KPH Graz.
    http://www.kphgraz.at/kompetenzzentren/schulbuchentwicklung.html
     

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  • Ab dem Schuljahr 2014/2015: Der Kompetenzorientierte VS-Lehrplan für den katholischen Religionsunterricht tritt in Kraft.
  • Juni 2015: Roswitha Pendl-Todorovic, Hans Neuhold, Heinz Finster und Kurt Zisler veröffentlichen ein am Lehrplan 2014 orientiertes Familien- und Schulbuch auch für die 1. und 2. Schulstufe:
    gehen und vertrauen | Religion entdecken. Ein Glaubensbuch für Familie und Schule. (FinsterVerlag 2015)

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    Die neue „Grazer VS-Buch-Reihe Religion“


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  • Religion entdecken und bedenken. Religion 1 | 2015


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  • begegnen und feiern. Religion 2 | 2016

  • fragen und verstehen. Religion 3 | 2017
  • staunen und danken. Religion 4 | 2018
  • Begleitende Materialien (in Erarbeitung):

 

Die theologischen, religionspädagogischen und religionsdidaktischen Grundlagen der „Grazer VS-Reihe Religion“

  • Die AutorInnen wollen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ernst nehmen und diese als „Zeichen der Zeit“ zu verstehen.
  • „seine Botschaft“ dementsprechend zu positionieren.
  • Jeder Text („Gewebe“) steht in einem Kon-Text und wird aus diesem Kontext heraus „verstanden“ und wahrgenommen.
  • Die Korrelation als Verkündigungsprinzip hat seine Wurzel in der inkarnatorischen Ausrichtung des christlichen Glaubens.
  • Korrelation versucht den Menschen in seiner konkreten heutigen Lebenswirklichkeit ernst zu nehmen bzw. nach dem Gottesvorkommen darin zu befragen.
  • Im schulischen Kontext wird damit auch das Leben der Kinder zum Ort der Theologie. 

 

Splitter aus der aktuellen Diskussion

„… Ferner geht es darum, Übersetzungsprozesse anzustoßen, und zwar in zwei Richtungen: im Hinblick auf die eigenen Lebensdeutungen der Schüler/innen und im Hinblick auf den Glauben. Das ist das genuin theologische Geschäft, das im Religionsunterricht zu leisten ist.“ (Schambeck, M. 2012, 279f).

„… ob die Fremdheit in den Traditionen, ob das Irritierende in den Erfahrungen, ob das Nicht-Korrelierbare angemessen gewürdigt wird? Wie soll in Prozessen von Pluralisierung … angemessen von der Unterschiedlichkeit der Erfahrungen geredet werden, wie sollen diese gewürdigt werden, wenn der Religionsunterricht im Banne eines Konzeptes abläuft, das möglicherweise alle Vielheit in eine letzte Einheit aufheben möchte?“ (Grümme 2015, 30).

„Eine sich dezidiert in pluralen Lebenswelten formierende Religionspädagogik muss sich als eine offen, suchende begreifen, eine Religionspädagogik in Suchbewegungen.“ (Grümme 2015, 287

 

Der gesellschaftliche Rahmen


Plurale Gesellschaft, Heterogenität, Diversität

Werte, Glaubensüberzeugungen, Lebensstile lassen sich nicht mehr auf eine einzige Weltanschauung oder Religion zurückführen. Man spricht oft vom Ende der Monopole.
Infolge der Individualisierung und Differenzierung aller Lebensbereiche kommt es zu einer Pluralität der Kulturen, Religionen, Werthaltungen, Lebenseinstellungen, Lebensstile, ….

Die heutige globale, damit interkulturelle und interreligiöse bzw. multireligiöse Situation verlangt nach ,,Pluralitätsfähigkeit“, die Fähigkeit sich im Plural zurecht zu finden.
 Je mehr es gelingt Eigenart (Differenz)  wahrzunehmen, umso mehr wird Einmaligkeit und Vielfalt positiv bewusst. 
Die große Herausforderung:

„Es geht nicht darum, diese Welt, die es so schwer macht, von Gott zu reden, zu denunzieren oder gar zu fliehen, sondern eine Rede von Gott zu finden, die in ihr und zugleich der Tradition dieser Rede bestehen kann“. (Rainer Bucher, Die Provokation der Krise. Zwölf Fragen und Antworten zur Lage der Kirche)

 

Inter-/Multireligiosität und Inter-/Multikulturalität

Religiöse Bildung kann die angstfreie Bewusstheit von Differenz und Anerkennung von Vielfalt, aber auch eine kritische Haltung gegenüber normierenden Zugriffen auf das Subjekt fördern.

„Eine am Modell des Dialogs orientierte, pluralitätsfähige Religionspädagogik impliziert eine prinzipiell positive Haltung zur Pluralität. Sie sieht in der Pluralität den Lerninhalt, durch dessen Bearbeitung eine Transformation der Pluralität möglich werden soll.“
Heil, St./Ziebertz, H.-G. (2009): Pluralität und Pluralismus. In: Handbuch religionspädagogischer Grundbegriffe. München: Kösel Verlag, 274.

Zugleich braucht es ein stärkeres Bewusstsein für das eigene, damit Orientierung möglich ist; allerdings zeigt sich dieses „eigene“ auch in Vielfalt. Dies ist auch der besondere Ort des konfessionellen Religionsunterrichtes.

 

Identität und Dialog – Profil und Offenheit – Orientierungsfunktion

Die Pluralitätsfähigkeit ist die Fähigkeit, mit der Spannung zwischen klarem Profil und Offenheit mit Wertschätzung für die Verschiedenheit in einer multireligiösen, multikulturellen, pluralen und globalen Welt, die in ihrer postmodernen Ausprägung jeden Wahrheits- und Einheitsanspruch in Frage stellt, wertschätzend umgehen können.

Religiöse Erziehung wird zu einem dialogisch-kommunikativen Prozess, der damit beginnt, dass die wesentliche Fragen gestellt werden (damit sie nicht verschwinden).

Der Religionsunterricht wird zum „Asyl-Ort für die großen Fragen“.

Im Schulbuch lädt der Rabe Felix, eine Kunstfigur, ein zur Kommunikation und Orientierung über religiöse Fragen (Perzeption, Kognition und Interaktion: wahrnehmen, verstehen, kommunizieren).

 

Kommunikation des Evangeliums

Die Grazer VS-Reihe Religion versteht mit Biesinger, Boschki und Hermann die „Kommunikation des Evangeliums“ als zukunftsfähigenLeitbegriff.

„Katholischerseits hat Norbert Mette den praktisch theologischen Leitbegriff der Kommunikation des Evangeliums für alle Felder kirchlicher Existenz und kirchlichen Tuns durchbuchstabiert.“
(Biesinger, A./Boschki, R./Hermann, D. 2015, 331).

Die Grazer VS-Reihe Religion will die Lebenswelt der Kinder ernst nehmen und findet darin den „Lernanlass“ und die „Anforderungssituation“ im Sinne eines kompetenzorientierten Religionsunterrichts.

Die Grazer VS-Reihe Religion will die Lebenswelt der Kinder mit der biblischen Botschaft bzw. mit dem Glauben der Kirche ins Gespräch bringen, sodass eine persönlich bedeutsame Fragehaltigkeit entstehenkann.

 

Schwinden und Wiederkehr des Religiösen – säkulare Gesellschaft

Neben neuen Formen des Atheismus – vor allem auf Seite der Eltern – gibt es viele Kennzeichen einer neuen Gottessehnsucht („neue Religiosität“), die sich aber nicht konfessionell und kirchlich bindet. Es findet gleichzeitig ein radikaler Wandel des Religiösen und seiner Formen statt.

Religion wird zur Frage der persönlichen Entscheidung. 

Religionsbücher brauchen eine werbend-einladende Sprache. Sie werben mit anderen Anbietern von „Religion auf dem Markt“.

Der „Rabe Felix“ kann als Versuch einer Mittlerfigur gesehen werden, die auf das allgemein Religiöse verweist und zur Wahrnehmung des Religiösen einlädt.

 

Schule und Bildung im Wandel

Die Würzburger Synode (1976) betont die diakonische Dimension des Religionsunterrichtes unterstreicht den Religionsunterricht als Unterstützung des Bildungsauftrages der Schule.

Ein kompetenzorientierter Religionsunterricht versteht sich als Dienst an den Kindern und an der Gesellschaft. In und mit ihm sollen Wissen, Haltungen und Können erworben werden.

Die Schule ist ein theologischer und religionspädagogischer Ort, an dem Schüler/innen und Lehrer/innen als Subjekte ihres Glaubens mit ihren je eigenen Biographien ernst genommen werden.

„Dem Religionsunterricht geht es nicht um ein religiöses Leben neben dem alltäglichen profanen Leben, sondern um eine Deutung des gelebten Lebens unter der Verheißung Gottes.“
(Biographisches Lernen, Ziebertz 2010, 380).

 

Schule und Bildung im Wandel:
Inklusion und inklusive Pädagogik

Die Inklusive Pädagogik bemüht sich im Ernstnehmen von gesellschaftlicher Diversität und Heterogenität um eine „Pädagogik/Schule der Vielfalt“ (Prengel).

Der Religionsunterricht ist Anwalt der Vielfalt und „Hüter“ der Vision einer inklusiven Schule.

Es geht nicht nur um die Inklusion von Kindern mit besonderen Förderbedarfen, sondern es geht um alle Diversitätsbereiche (Sprache, Geschlecht, Kultur, Religion, …) und besonders auch um die Bedarfe vulnerabler Personengruppen. 

Inklusive Pädagogik versucht so der Heterogenität der Kinder gerecht zu werden. Inklusion meint: Jedes Kind, insbesondere auch jeder/jede sozial benachteiligte Schüler/Schülerin, hat besondere Fähigkeiten.

Schule und Bildung im Wandel:
Kompetenzorientierung

  • Notwendiger Perspektivenwechsel bzw. Wechsel der Blickrichtung: vom Input zum Outcome
  • Das Kind im Blick
  • Subjektorientierung: Wie eignet es sich Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten (Können), Wollen (Einstellungen und Haltungen), an?
  • Welche Lernanlässe, Lernarrangements braucht es, um sich religiöse Kompetenz zu erwerben?

„Demnach ist nicht mehr der oftmals idealistisch anmutende Input von Lehrplänen entscheidend, sondern das, was Schüler/innen zu bestimmten Zeitpunkten tatsächlich können, d.h. welcher Outcome sich anhand der von den Schüler/innen gewonnenen Kompetenzen feststellen lässt.“ (Obst, G./Rothgangel, M. 2012, 185).

 

Die „Grazer VS-Reihe Religion“ orientiert sich an den Kompetenzdimensionen des Lehrplans für den katholischen Religionsunterricht

  • Religiöse Phänomene wahrnehmen und beschreiben (Perzeption)
  • Verstehen und deuten (Kognition)
  • Gestalten und handeln (Performanz)
  • Kommunizieren und (be)urteilen (Interaktion)
  • Teilhaben und entscheiden (Partizipation)

kompetenzdimensionen

 

Die Schlussseiten der Buchkapitel

  • Die Schlussseiten dienen der Kompetenzüberprüfung. Eine Selbstevaluation gehört wesentlich zur Kompetenzorientierung.
  • Mit den Schlussseiten kann versucht werden, den Blick stärker auf die erzielten „Ergebnisse“ und den „Outcome“ zu richten. Sie können aber auch als Lernstandserhebung dienen.

 

Korrelation und Kompetenzorientierung zusammengedacht …

Die Kompetenzorientierung bringt das Leben der Kinder als Lernort und die Kinder als Subjekte des Lernens nochmals deutlicher ins Blickfeld.

„Indem soziale Wirklichkeiten nicht nur als solche wahrgenommen werden, sondern auch aus einem spezifisch theologischen Blick gedeutet werden…“
(Weirer 2012, 254).

 

Hans Neuhold, 2016